Beschlussvorlage Verhinderung von Manipulationen an Kleinkrafträdern

Entwurf Stand 15.2.2018

Beschlussvorlage Verhinderung von Manipulationen an Kleinkrafträdern des DVR-Vorstandsausschusses Junge Kraftfahrer


1. Vorbemerkung/Erläuterung

Im Jahr 2016 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Straßenverkehr 68 Fahrerinnen und Fahrer von Mofas und Mopeds, 14413 Personen wurden bei der Nutzung von Kleinkrafträdern verletzt. Besonders gefährdet sind junge Kraftfahrer, 21.7 % der Verunglückten gehören zur Altersgruppe 15-17 Jahre. Gemessen am Bestand von rund 2 Mio. Fahrzeugen mit Versicherungskennzeichen war die Unfallkennzahl der Verunglückten je 1 Mrd. KFZ Kilometer im Jahr 2015 mit 3394 deutlich höher als jene von Krafträdern mit amtlichen Kennzeichen, die 2359 betrug. Dabei ist auch bei den Kleinkrafträdern der Fahrunfall mit 42,6% der häufigste Unfalltyp und unangepasste Geschwindigkeit mit 13% die häufigste Unfallursache. Bei den 15-18 Jährigen waren sogar rund 23% zu schnell.

Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat 2013 im Saarland unter anderem den technischen Zustand und Manipulationen an Kleinkrafträdern untersucht. Von den dazu in Verkehrskontrollen untersuchten Fahrzeugen erreichten 72% der Mofas und 32% der Kleinkrafträder Geschwindigkeiten oberhalb der jeweiligen bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit. Zusammengefasst erwiesen sich 50% der untersuchten Kleinkrafträder als manipuliert.

Es ist davon auszugehen, dass diese Manipulationen vorwiegend von Jugendlichen ausgeführt und im Straßenverkehr genutzt werden, da für sie je nach Alter das Mofa oder das Moped die einzige Möglichkeit zur selbstständigen motorisierten Verkehrsteilnahme darstellt. So verfügten z.B. 68% der im Rahmen der UDV Studie kontrollierten Mofa-Fahrer über keine weitere Fahrerlaubnis als die Berechtigung zum Führen eines Mofas.

Gleichzeitig lassen sich Manipulationen an der Riemenscheibe oder der Austausch eines Steuergeräts bereits mit sehr geringem technischen Wissen umsetzen und insbesondere bei Mofas dadurch das doppelte bis dreifache der erlaubten Geschwindigkeiten erreichen.

Dies bedeutet aber auch, dass viele Jugendliche mit ihren Fahrzeugen Geschwindigkeitsbereiche erreichen können, für die weder die Fahrzeuge ausgelegt noch ihre Fahrer ausgebildet sind oder über die entsprechende Verkehrsreife verfügen.

2. Beschluss

Zur Verringerung der Unfallgefahren besonders junger Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer mit Mofas, Mopeds und anderen Kleinkrafträdern

1. Angesichts der leichten Umsetzbarkeit von technischen Manipulationen zur Erhöhung der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit sind die Hersteller zu verpflichten, unzulässige Leistungs- und Geschwindigkeitssteigerungen zu erschweren bzw. bestmöglich zu verhindern.

Dazu können bei
a)mechanisch in der Höchstgeschwindigkeit begrenzten Fahrzeugen
– Riemenscheiben mit Distanzring aus einem Stück gefertigt oder untrennbar verbunden werden

– die Übersetzung im Endantrieb geändert

– eine geänderte, die Höchstgeschwindigkeit begrenzende Variomatik verwendet werden

b) bei elektronisch in der Höchstgeschwindigkeit begrenzten Fahrzeugen oder Elektrofahrzeugen

– das Motorsteuergerät (CDI) fest mit dem Kabelbaum des Fahrzeuges verbunden werden

– Einwegstecker für das Motorsteuergerät (CDI) verwendet werden, die nur von offiziellen Werkstätten erneuert werden können

– Motorsteuergeräte (CDI) verwendet werden, die auf das Fahrzeug codiert sind und mit diesem kommunizieren

c) durch eine herstellerseitige Anbringung von Siegel-Etiketten oder Verplombungen an weiteren relevanten Bauteilen wie Zylindern, Auspuffkrümmern oder Ansaugstutzen die Kontrollierbarkeit von möglichen Tuningeingriffen zusätzlich erleichtert werden.

2. Entsprechend des erheblichen Einflusses, den die Geschwindigkeit auf die Unfallfolgen hat, werden von der Polizei verstärkte Fahrzeugkontrollen mit Prüfständen und Geschwindigkeitsmessungen von Kleinkrafträdern gefordert. Dabei sind die möglichen Rechtsfolgen konsequent anzuwenden oder auch auszuweiten.

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